#3 Glück, Sinn und Erfüllung ‒ Wege und Ansätze ganzheitlicher Persönlichkeitsentwicklung

Wege zu Wohlbefinden, Glueck und Lebenssinn

Februar 10, 2022

Einerseits “Glück, Lebenssinn, Erfüllung”: Begriffe, die auf einem ganz hohen Level an Erfülltheit, Lebensglück, des Ruhens in sich und einem gelingenden Leben zuhause sind. 

Und andererseits die “seelische Gesundheit”, die, so positiv der Begriff auch besetzt sein mag, doch auch für etwas Selbstverständliches steht, für einen alltäglichen und normalen “Systemzustand” für die vielen eher undramatischen Dinge des täglichen Lebens ‒ was erst mal mit dem “hohen Level an Erfülltheit, Lebensglück etc. …” so gar nichts zu tun hat. Wie passt das zusammen?

Wie hängen Glück, Sinn, Erfüllung und seelische Gesundheit zusammen?

Vergleichen wir doch einmal alle Inhalte, zentralen Begriffe und verschiedenen “Bausteine- und Säulen-Listen” aus den Teilen #1 und #2 miteinander. Auch hier zeigt sich sehr schnell eine große Überlappung und Nähe der Inhalte zueinander. Und es gibt darunter auch eine Liste, die im wesentlichen alle Inhalte und Listenpunkte der anderen Themen zu enthalten scheint: die 6 Bausteine des “Wohlbefindens” von Carol Ryff (#1, Mitte).

Die fehlenden Hauptbegriffe aus den anderen Ansätzen sind zwar in der Zusammenstellung von Ryff thematisch, implizit, in den übergreifend formulierten Punkten enthalten, aber nicht explizit aufgeführt. Fügen wir diese also noch ergänzend und differenzierend in die Ryff-Liste der 6 vorhandenen Bausteine ein und wir erhalten wir ‒ nun “frei nach Carol Ryff” ‒ die folgende Liste: 

Bausteine des Wohlbefindens 

  1. Sich selbst akzeptieren, eine positive Grundeinstellung sich selbst gegenüber 
  2. Warme, vertrauensvolle Beziehungen mit anderen, Empathiefähigkeit, Bindungsfähigkeit 
  3. Autonomie, Selbstbestimmtheit, eigene Werte als Kompass des eigenen Verhaltens
  4. Selbstwirksamkeit, die aktive Gestaltung der persönlichen Lebensumstände, Bewältigung von Alltagsanforderungen, ‒ Selbstwert 
  5. Sinn im Leben, relevante persönliche Ziele, klares Verständnis des eigenen Lebenssinns
    – Stimmigkeit, Schlüssigkeit  
  6. Persönliches Wachstum, kontinuierliche persönliche Entwicklung
    – Einstellungen: Offenheit für neue Erfahrungen, Optimismus, Humor
    – Fähigkeiten: Selbststeuerung, Emotionssteuerung, Kausalanalyse, Coping (Problembewältigung), Systemwissen
    – Selbstentwicklung und Wachstum:
        ‒ Bewusstsein, Achtsamkeit, Präsenz im Alltag
        ‒ Selbstkenntnis, Authentizität, Selbstverwirklichung
        ‒ Resilienz, Gelassenheit, Weisheit 

Die 4 ersten Punkte sind sofort als die Dauerbrenner praktisch aller Ansätze zu erkennen. Punkte 5 und 6 im Prinzip ebenso, jedoch werden diese, vor allem Punkt 6, von den Inhalten der anderen Ansätze weiter ausdifferenziert. So liegt jetzt in dieser erweiterten Liste ein deutlicher Fokus auf Punkt 6 “Persönliches Wachstum” und zwar im Sinne einer bewusst angenommenen Verantwortung 

  • für die eigene ganzheitliche Entwicklung, 
  • für eine bewusste und reflektierte Selbst- und Lebensführung 
  • mit allem, was an einzelnen (ggf. zu entdeckenden) Aspekten, (ggf. zu verändernden) Einstellungen und (ggf. zu entwickelnden) Fähigkeiten dazu gehört.

Der Schlüssel zu unserer Frage, wie seelische Gesundheit mit Glück, Sinn und Erfüllung zusammenhängt, liegt jedoch genau in dem Begriff, auf den sich diese umfassende Baustein-Liste überhaupt bezieht: dem Begriff des “Wohlbefindens”. Aus welchem Grund?

Schlüsselqualität “Wohlbefinden”

“Wohlbefinden” bezeichnet zwar klar und eindeutig eine positive “Befindlichkeit”, die ungetrübte positive Qualität eines persönlichen und subjektiven Zustands, lässt jedoch dahinter ein weites Spektrum offen, sozusagen einen range von fließend in einander übergehenden Intensitäten und Bedeutungstiefen, wie die folgenden Beispiele für “Wohlbefinden” zeigen:

  1. Eis essende Kinder im Sommer, gekrault werden, sich über die Frühjahrssonne freuen, faulenzen, ausschlafen, sich grundlos wohlfühlen
  2. gesund sein, keine Beschwerden haben, nach einer Krise oder Krankheit das Leben neu genießen, sich uneingeschränkt und intensiv seines Lebens erfreuen
  3. tiefe Meditation, Verliebtheit, die ekstatischen Glücksmomente im Extremsport, Bad in der Menge, das Glück des Helfens und des Altruismus
  4. auf ein glückliches und erfülltes Leben zurückblicken, das Glück des Verliebtseins, das Glück einer lebenslangen und gelungenen Liebesbeziehung, im Lebenswerk den Lebenssinn spüren

“Wohlbefinden” ist der Schlüsselbegriff, der die beiden Themenstränge “Glück, Sinn, Erfüllung” und “seelische Gesundheit” auf  einer Achse verbindet und zusammenführt. Und dort nach verschiedenen Intensitäten und Zusammenhängen positioniert und unterscheidet:

  1. die Beispiele 1 stehen für ein einfaches, müheloses, situatives, organismisches Wohlbefinden, meist infolge einer Bedürfnisbefriedigung
  2. die Beispiele 2 umfassen den Erlebensbereich der seelischen Gesundheit vom minimalistischen “keine Beschwerden” bis zum intensiven positiven Lebensgenuss
  3. die Beispiele 3 und 4 stehen für ein “Wohlbefinden”, das in seinen Bezügen, seiner Intensität, seiner grundsätzlichen Bedeutsamkeit für das eigene Leben auf dem hohen Level “Glück, Lebenssinn und Erfüllung” erlebt wird.

Und wie hängen diese 3 (idealtypischen, d. h. tatsächlich fließend ineinander übergehenden) Ebenen des Wohlbefindens zusammen, auch in der Dynamik des eigenen Lebens? Ich denke, die Antwort liegt auf der Hand: es ist dieser Urantrieb zur Entwicklung und zum Wachsen, der allem Lebendigen zugrunde liegt, dieser Urantrieb des “Werdens, wozu man angelegt ist”, des “Werdens, wer man ist”, der die persönliche Entwicklung antreibt und das angelegte Potenzial zu verwirklichen sucht, so gut es eben geht und so weit, wie es die Lebensbedingungen zulassen. 

Die Spannbreite von Wohlbefinden und seelischer Gesundheit

Für das Wohlbefinden der Beispiele 1 sorgt weitgehend der Organismus. In ihm sind diese vielen kleinen Potenziale des Glückserlebens (wie auch des Erlebens von Unglück) bereits angelegt und funktionieren sowohl ohne als auch mit unserem (hedonistischen) Zutun.

Mit der seelischen bzw. (die körperliche und geistige mit einschließenden) ganzheitlichen Gesundheit (Beispiele 2) machen wir einen großen Schritt nach vorn, nämlich von der beliebigen Situation zum kompletten System, zur lebendigen Ganzheit, die jeder von uns ist. Auch hier ist der Organismus “federführend”, auch hier wirkt der Urantrieb von Wachstum und Entwicklung, aber nicht mehr ohne das Zutun unserer bewussten und mitverantwortlichen “Ich-Instanz”. Hier gibt es 2 gegenläufige Grundtendenzen:

Die seelische Gesundheit kann natürlich ‒ im Bestreben, “unnötige” Anstrengungen und Beschwerden herunterzudrosseln oder am besten gleich zu vermeiden ‒ auf einem “ausreichenden” Minimal-Niveau gehalten werden und so lala vor sich hinkümmern (“Wie gehts?” “Ach, weiß nicht, muss halt.”). Das mag kurzfristig funktionieren und aktuelle Frustratiönchen fernhalten, ist aber langfristig eine Milchmädchenrechnung: sich hinter einem Schutzwall von Angst und Lethargie “unsichtbar” zu machen, sich den engen Horizont der persönlichen Komfortzone zu eigen zu machen bedeutet zwangsläufig leider auch, sich ein Stück weit von seiner eigenen Natur und dieser Urkraft des Wachstums und der Selbstentwicklung abzukoppeln. Sich in seinem Potenzial zum Erleben von Gipfelerfahrungen und Lebensfülle selbst abzubremsen. Im schlimmsten Fall: dauerhaft.

Dieser innere, “intrinsische” (= sich selbst motivierende) Antrieb zu Wachstum und Entwicklung ist keiner mit Erfolgsgarantie, jedoch ein 100% lohnenswerter und letztlich konkurrenzloser Weg zu einem guten, gelingenden, glücklichen Leben, zur Erfahrung von Lebenssinn und Erfüllung, zur Entwicklung und zum Erleben von seelischer Gesundheit auf hohem Niveau. Er ist nicht die trügerische Konservierung eines einmal erlebten, glücklich gemacht habenden Zustands, sondern die Entscheidung für eine Reise. Für einen ungewissen und offenen, und gerade deshalb so ungeheuer vitalen und intensiven Prozess des Wachstums. Der nichts so gut brauchen kann wie eine wache und selbstnahe “Ich-Assistenz”, um diesem Prozess die Tür zum eudaimonischen Glück, zu reflektierten und authentischen Werten, zu lohnenden Zielen als Etappen ganzheitlicher Selbstverwirklichung zu öffnen.

In diesem Sinne sind Glück, Sinn und Erfüllung der seelischen Gesundheit als Potenzial inbegriffen. Es sind die höchsten, beglückendsten und erfüllendsten Verwirklichungsstufen seelischer Gesundheit und originäre ‒ vielleicht sogar die “eigentlichen” ‒ Ziele dieses Urantriebs zu Wachstum und Entwicklung. Diesen Antrieb, diesen einmaligen Auftrag des Lebens an den einmaligen Menschen können wir vermeiden, verpennen und verschludern, aber auch als Reiseroute in Richtung Glück, Sinn und Erfüllung verstehen und als Chance ergreifen. Das liegt an uns. An jedem einzelnen. Für sich.

 

Glück und Erfüllung im Fokus von Psychologie und Therapie

Schauen wir uns nun einige Ansätze aus dem Bereich Psychologie und Therapie an, und zwar genau diejenigen, welche die Ziele Glück, Erfüllung und die seelische Gesundheit im positiven Sinne explizit in das Zentrum ihrer Methode stellen.

Natürlich sind die Übergänge fließend. Und es liegt mir fern, irgendeiner psychotherapeutischen Methode abzusprechen, ihr spezifischer, in der Regel problemorientierter Ansatz wäre nicht ebenfalls unter dem Aspekt zu sehen, damit auch an der seelischen Gesundheit bzw. dem Lebensglück der Patienten zu arbeiten. Kein Frage. Dennoch gibt es ganz unbestritten diese “pathogenetische” Hauptströmung (definierte Beschwerden abstellen) und eine deutlich kleinere, “salutogenetisch” orientierte Gegenströmung, der es explizit um einer ganzheitlichere, systemischere Sichtweise und um Wohlbefinden und Gesundheit eben im Sinne der Salutogenese Antonowskys geht. 

Verhaltenstherapie

Besonders fließend sind diese Übergänge in der Verhaltenstherapie (VT). Die VT hat in den vergangenen Jahrzehnten neue Strömungen und Entwicklungsimpulse in einem Maß aufgenommen und integriert, wie es ihr in der Mitte des letzten Jahrhunderts wohl niemand zugetraut hätte. Hier ist vor allem die sogenannte “3. Welle der VT” zu nennen, in welcher sie sich für die fundamental wichtige Rolle von Achtsamkeit und Akzeptanz geöffnet hat. Weiterhin besteht eine zunehmende Tendenz zur ganzheitlich-integrativen Therapiekonzeption (z. B. in der Schematherapie, beispielhaft in der Konzeption von Eckhard Roediger). Und da die VT derzeit die führende Richtung ist, kann man hier sicher von einem Paradigmenwechel sprechen. 

Zu den allerwichtigsten bzw. bahnbrechenden neueren Ansätzen gehören:

  • MBSR (mindfulness-based stress reduction): Stressreduktion durch Achtsamkeit ‒ führende (westliche) Referenzmethode der Achtsamkeitspraxis von J. Kabat-Zinn
  • ACT (Akzeptanz- und Commitment-Therapie): kombiniert Achtsamkeit und die Unterbrechung der Identifikation mit den eigenen Gedanken mit Werteorientierung und Handlungsverbindlichkeit 
  • Schematherapie: von Jeffrey E. Young entwickelte Therapie für Persönlichkeitsstörungen mit integrativem Ansatz

Die Humanistische Psychologie

Wenn überhaupt eine psychologische Richtung das Konzept des Wachstums, der Persönlichkeitsentfaltung, des “Werdens, als wer man angelegt ist” in den Genen hat, dann ist das die humanistische Psychologie. Leider wurde sie, ehemals “dritte Richtung neben VT und Psychoanalyse”, wie einige andere therapeutische Ansätze auch, von den Platzhirschen Verhaltenstherapie und Tiefenpsychologie aus dem Rampenlicht bzw. den Futternäpfen der Kassenzulassung verdrängt. 

Die humanistische Psychologie ist keine zentral konzipierte Therapieschule, sondern eher ein Netzwerk unterschiedlicher Ansätze, die mit einander verbunden sind

  • durch ein ähnliches Menschenbild (Autonomie, Wachstumsorientierung, Tendenz zur Selbstverwirklichung sowie Ziel- und Sinnorientierung)
  • einige Prinzipien therapeutischer Arbeit (“Hebammen-Prinzip”: Unterstützung der natürlichen inneren Wachstumskräfte der Patienten/Klienten) 
  • und die Orientierung an einer ganzheitlichen, tendenziell auch: systemischen, Sichtweise. 

Zu den wichtigsten Vertretern und Richtungen gehören

  • Abraham Maslow. Bekannt ist vor allem seine “Bedürfnispyramide”, die in den Top-Bedürfnissen “Selbstverwirklichung” und “Transzendenz” gipfelt
  • die Gestalttherapie von Fritz Perls, die damit arbeitet, die Selbstheilungskräfte als Teil der organismischen Selbstregulation freizusetzen und zu unterstützen
  • die Logotherapie („sinnzentrierte Psychotherapie“) bzw. Existenzanalyse von Viktor Frankl: Unterstützung des freien Erlebens, des authentischen und eigenverantwortlichen Umgangs mit sich und der Welt, die innere Zustimmung zum eigenen Handeln und Dasein
  • und natürlich: Carl Rogers, der Begründer der klientenzentrierten bzw. personzentrierten Psychotherapie und der klienten-/personzentrierten Gesprächsführung.
    Rogers geht davon aus, dass den Menschen eine angeborene Selbstverwirklichungstendenz (Aktualisierungstendenz) antreibt und leitet. Aufgabe des Therapeuten ist es, diesen natürlichen Wachstumsprozess in Richtung “fully functioning person” (= psychisch gesunde, ihr Potenzial voll auslebende Person) im Störungsfall zu unterstützen und ein günstiges Klima für die Wiederaufnahme der unterbrochenen “Selbstaktualisierung” zu schaffen. Dabei sind das empathische Verstehen und das bedingungsfreie Akzeptieren des Klienten sowie die Echtheit und Aufrichtigkeit des Therapeuten bzw. Beraters die entscheidenden “Variablen” (Grundhaltungen).

Die systemische Sichtweise

Sinn, Erfüllung, Wohlbefinden, seelische Gesundheit etc. …  alle diese Begriffe drücken ganzheitliche Zustände des Erlebens aus. Und in diesem ganzheitlichen Verständnis ist der systemische Blickwinkel im Prinzip schon mit inbegriffen. Leben und Erleben funktioniert NUR in vernetzten und komplexen Systemen. Und man kann diese Prozesse einfach nicht “nicht-systemisch” sehen, ohne an einer elementaren Voraussetzung für das Verständnis vorbeizuschrammen. 

Dabei geht es nicht um die Sichtweise irgendeiner systemischen Schule, sondern um einen grundsätzlichen, offenen Blick auf die erkennbaren und relevanten systemischen Zusammenhänge. Z. B.: “An welchen ‒ vielleicht besonders systemkritischen ‒ “Ecken” ist mein lädiertes Wohlbefinden gestört? Wie hängt meine Gesundheit (als offenes System) mit meinen Lebensumständen (weiteren vernetzten Systemen) zusammen?”  

Wie hilfreich manche Modelle aus der Systemtheorie auch für das Verständnis unseres psychologischen Funktionierens sind, zeigt z. B. der Begriff des “Attraktors”: 

  • versteht man einen Attraktor als eine Tendenz mit einer gewissen dauerhaften Energie-/Motivationsspannung, ein bestimmtes Bedürfnis (Wunsch, Absicht, Disposition) wo und wann immer gerade möglich, auf allen Ebenen des Erlebens (wahrnehmen, denken, fühlen, handeln etc.) und in allen Kontexten (für sich, in sozialen Beziehungen etc.) umzusetzen (z. B: Konflikten aus dem Weg zu gehen oder den eigenen Selbstwert zu stärken)
  • und verstehen wir das gesamte “Personal” unserer inneren Dramen (Wünsche, Vorhaben, Zustände, Einstellungen, Gewohnheiten, festgefahrene Reaktionsmuster etc.) als eine Gemeinschaft verschiedenster solcher Tendenzen (=Attraktoren), die sich in einem fortwährenden Konkurrenzkampf um die kostbare Ressource “Aufmerksamkeit” und um Durchsetzung befinden, 

dann lässt sich die Vielschichtigkeit und Komplexität unseres inneren Erlebens und auch die typische Wechselhaftigkeit, diese “vor und zurück-, sowohl als auch-, manchmal ja, manchmal nein”-Dynamik besser und eindrücklicher verstehen.

Die Synergetik. Ein Paradebeispiel für die Anwendung systemtheoretischen Wissens in Psychologie und Psychotherapie ist die “Synergetik”, die “Lehre vom Zusammenwirken”. Der Physiker Hermann Haken beobachtete in den 70er Jahren (erstmals bei Laserstrahlen, also von der Physik her kommend) die spontane Selbstorganisation geordneter Strukturen in offenen Systemen. Vor allem aber entdeckte er in diesen Abläufen systemischer Ordnungsbildung und Ordnungsübergänge allgemeingültige Gesetzmäßigkeiten des Zusammenwirkens (= Synergie), die gleichermaßen zu beobachten und gültig sind in den Naturwissenschaften, Sozialwissenschaften ‒ und der Psychologie. 

So beziehen sich seither psychologische Ansätze schulenübergreifend immer wieder auf die Gesetzmäßigkeiten der Synergetik. Und der Mediziner und Psychotherapeut Dietmar Hansch entwickelte in den 00er Jahren mit der “Psychosynergetik” ein vollständig ausformuliertes Modell für Selbsthilfe, Selbstführung und Psychotherapie auf der Grundlage der Synergetik. 

Eine Einführung in die Synergetik mit anschaulichen Beispielen sowie ihre Anwendung auf die Dynamik der Selbstführung findest du in meinem Blog #6 Das Attraktormodell der Selbstführung.

Die Positive Psychologie

Abschließend möchte ich dir eine junge, jedoch längst etablierte, wissenschaftlich fundierte und vielversprechende Richtung im Bereich Therapie, Coaching und Selbsthilfe vorstellen ‒ und zwar deshalb, weil sich dieser Ansatz das Glück und das Wohlbefinden, Selbstverwirklichung und Persönlichkeitsentwicklung, ein erfülltes und gelingendes Leben im Kontext einer  positiv ausgerichteten seelischen Gesundheit explizit auf seine Fahnen geschrieben hat: die “Positive Psychologie” (PP). 

Angestoßen wurde die Positive Psychologie als empirische Wissenschaft 1998 von Martin Seligman, dem “Vater der PP”. In seiner Antrittsrede als Präsident der Amerikanischen Psychologenvereinigung forderte er, dass sich die Psychologie mit der Erforschung positiver Emotionen, positiver Eigenschaften und positiver gesellschaftlicher Rahmenbedingungen befassen solle, anstatt ‒ wie die klinische Psychologie ‒ vorwiegend mit Krankheiten und Defiziten. Seligman forderte eine Umfokussierung auf das, was das Leben lebenswert macht sowie die Voraussetzungen für ein solches Leben.

Damit knüpfte Seligman an verschiedenen Vorgängern (vorwiegend aus dem Feld der Humanistischen Psychologie) wie auch an Zeitgenossen mit wichtigen dazu passenden Einzelkonzepten an:

  • Aristoteles mit seinen Schriften über Glück, Sinnhaftigkeit und Tugend (“Glück ist die Bedeutung und der Sinn des Lebens, das Ziel der menschlichen Existenz”)
  • Maslow, der bereits eine positive Umorientierung der Psychologie forderte und diesen Begriff auch erstmalig verwendete
  • Carl Rogers mit seinen Konzepten der “Selbstaktualisierung” und “fully functioning person”
  • Viktor Frankl, der Begründer der auf Sinnerleben angelegten Logotherapie („Im Dienst an einer Sache oder in der Liebe zu einer Person erfüllt der Mensch sich selbst. … Sich selbst verwirklichen kann er also eigentlich nur in dem Maße, in dem er sich selbst vergisst, in dem er sich selbst übersieht“ (Frankl, 2004, S. 147)
  • Antonowsky und sein Salutogenese-Konzept: “Gesundheit ist mehr als die Abwesenheit von Krankheit”
  • Der Glücksforscher Mihály Csíkszentmihályi mit seiner durchschlagend erfolgreichen Flow-Theorie
  • und einige mehr, gerade auch in der aktuellen Forschung und Weiterentwicklung

Die Positive Psychologie setzt sich im wesentlichen die Entwicklung der folgenden Qualitäten ein:

  • Wohlbefinden nach dem “Flourishing”-Konzept (s.u.)
  • positive Emotionen (s.u.)
  • positive Einstellungen (Selbstwirksamkeit, Optimismus, Dankbarkeit)
  • selbst- und wachstumsfördernde Motivationen und (intrinsische) Ziele
  • persönliche Stärken (Charakterstärken, besondere “leichtgängige” Stärken, erlernte Fähigkeiten)
  • Achtsamkeit, Gegenwartsorientierung, Flow-Qualitäten des Handelns, “Flow-Persönlichkeit” 
  • ein gesundes, hohes Selbstwert- und Selbstmitgefühl
  • ein erfülltes Sozialleben, positive Kommunikation, gelingende Beziehungen
  • Lebensqualität, Sinn, Lebenssinn und Erfüllung

Ein, wenn auch nur knappes, Portrait der PP würde den Rahmen dieses Artikels doch überdehnen, deshalb im folgenden nur noch 2  “Herzstücke” der PP, die allerdings unser übergeordnetes Thema punktgenau treffen:

Flourishing

“Die Mehrzahl der Themen und Anwendungen der Positiven Psychologie zielt darauf ab, Flourishing zu erhöhen” (M. Seligman, 2011). 

Flourishing, wörtlich: blühen, aufblühen, gedeihen, beschreibt bildhaft einen Zustand gesteigerten Wohlbefindens oder Glücks, der sich z. B. in einem Gefühl des persönlichen Wachsens und sich Entwickelns, großer psychischer Leistungsfähigkeit, des Ressourcenreichtums und persönlicher Stärken, aber auch in einem erfüllten Sozialleben ausdrücken kann. Flourishing entsteht in fließenden Verbindungen von souveräner, optimaler Lebensführung, der Bewältigung der Lebensaufgaben (“Gelingen”), von Empathie und Güte, persönlichem Wachstum und Resilienz, d. h. der Fähigkeit, auch Widerstände, Rückschläge und Niederlage verarbeiten zu können.

Der Gegenpol ist das sogenannte “Languishing (= Verkümmern)”, ein vorwiegend negativ orientierter Lebensstil mit Zuständen, die als ermüdend, sinnentleert, freudlos, pessimistisch und unzulänglich, eben als “Zustände der Verkümmerung” empfunden werden.

Flourishing (die Verwandtschaft mit der “fully functioning person” von Rogers dürfte ins Auge springen) umfasst die 3 verschiedene Dimensionen seelischer Gesundheit gleichermaßen:

  • das subjektive Wohlbefinden, 
  • die psychische Leistungsfähigkeit (Liebes-, Arbeits- und Genussfähigkeit im Sinne der WHO-Definition)
  • und das persönliche Wachstum

Diese 3 Dimensionen enthalten in kompakter Form genau das, was wir oben als den höher entwickelten “high level Bereich” der seelischen Gesundheit umschrieben haben (Beispiele (2), 3 und 4).

Der Soziologe und Psychologe Corey Keyes, wichtiger Mitentwickler der PP, “füllte” 2002 die basale Feststellung von Antonowsky “Gesundheit ist mehr als die Abwesenheit von Krankheit” mit einem Modell, in welchem er dem “traditionell” gültigen Kriterienpaar “psychisch gesund vs krank” ein zweites, gleichwertiges Kriterienpaar hinzufügte: “Flourishing/Aufblühen vs Languishing/Verkümmern”. Im Sinne dieses “Doppelkontinuums der geistigen Gesundheit” kann ein Mensch psychisch krank sein (= eine Diagnose haben) oder auch nicht, und gleichzeitig bzw. ein Stück weit unabhängig davon im Sinne seelischer Gesundheit “blühen” oder “verkümmern”. 

Die Kriterien bzw. Bausteine für Flourishing sind nach Keyes:

  1. Subjektives Wohlbefinden
    – Ausmaß positiver Gefühle verglichen mit negativen, Lebenszufriedenheit
  2. Psychisches Wohlbefinden
    – sich selbst akzeptieren
    – positive Beziehungen
    – Autonomie, Selbstbestimmtheit
    – Selbstwirksamkeit, Bewältigung von Alltagsanforderungen, aktive Gestaltung von Lebensbedingungen
    – Sinn im Leben, relevante persönliche Ziele
    – persönliches Wachstum
  3. Funktionales soziales Wohlbefinden
    – soziale Akzeptanz, sozialer Beitrag, soziale Integration

Und Seligman selbst fasste die aus seiner Sicht 5 wichtigsten Kriterien für Flourishing im sogenannten “PERMA”-Modell des Wohlbefindens zusammen:

  1. Positive Emotionen (s.u.)
  2. Engagement (vor allem bezogen auf die Flow-Erfahrung, die intrinsische Motivation und die auf die Gegenwart ausgerichtete Aufmerksamkeit)
  3. Relationships (soziale Beziehungen)
  4. Meaning (Sinn, s.o. Viktor Frankl)
  5. Accomplishment (Selbstwirksamkeitserwartung, Gelingen, Freude an den eigenen Fähigkeiten und Erfolgen)

Positive Emotionen tun gut, öffnen und bauen auf ‒ die “Broaden-and-Build”-Theorie

Im Jahr 2001, unmittelbar nach der Geburtsstunde der PP als neuem empirischem Forschungsgebiet, veröffentlichte Barbara Fredrickson, eine an der Weiterentwicklung der PP maßgeblich beteiligte Psychologin, die “Broaden-and-Build”-Theorie. Ihre Theorie wurde seitdem mehrfach durch Studien bestätigt.

Die “Broaden-and-Build”-Theorie beschreibt, wie positive Emotionen die menschliche Wahrnehmung erweitern (“broaden”) und in einem rückwirkenden Effekt wiederum Ressourcen aufbauen (“build”).

Broadening. Die Art und Weise, wie das Gehirn arbeitet, wird direkt von der Art der aktuellen Emotionen beeinflusst. Während Emotionen wie Angst, Ohnmacht und Ärger Stressreaktionen und dabei u. a. eine Verengung der Wahrnehmung (“Tunnelblick”) auslösen, erweitern positive Emotionen wie Freude, Lust, Liebe, Interesse, Heiterkeit, Zufriedenheit, Stolz etc. die Wahrnehmung sowie die Verarbeitungsfunktionen des Gehirns insgesamt. Die Wahrnehmungsbereitschaft öffnet sich und je mehr Reize ein Mensch wahrnehmen, verarbeiten und mit bestehenden Gedächtnisinhalten verbinden kann, desto offener wird seine Sicht auf die Welt und desto stärker auch (langfristig) die positive Auswirkung auf das persönliche Wachstum, auf die Entwicklung der eigenen Flexibilität, Kreativität, Vitalität und Resilienz.

Wohl jeder kennt den Unterschied zwischen “richtig gut drauf und voller Energie sein” und dem “lustlosen, müden Durchhänger”. Und auch die Auswirkung darauf, wie man in der jeweiligen Stimmung mit sich, der Welt und seiner Lebendigkeit verbunden ist, wie sehr man sprüht vor Aufnahmebereitschaft, Lust auf Neues etc. ‒ oder halt auch nicht.

Entscheidend für diese Entwicklung ist allerdings nicht so sehr die Intensität der positiven Gefühle, sondern ihre Häufigkeit ‒ einfach deshalb, weil das Gehirn seine neuronalen Netzwerke langsam und in ständiger Neuverstärkung und Stabilisierung aufbaut (ähnliches Prinzip wie beim Fitnesstraining oder bei fast allen Lernprozessen: die häufige und regelmäßige Aktivität bringt den Erfolg).

Building. Dieses regelmäßige Erleben positiver Emotionen verpufft nun auch nicht rückstandslos im erfüllten Gegenwartserleben, sondern trägt in einem stetig auf das System rückwirkenden Sinn zum Aufbau persönlicher Ressourcen bei: zunächst ganz allgemein zur Verstärkung der seelischen Gesundheit und des Flourishing (Kompetenz- und Sinnerleben, Selbstakzeptanz und Selbstwirksamkeit, Sinn, Optimismus, Resilienz, stabile Beziehungen). Und speziell auch (wie nachgewiesen in mehreren Korrelationsstudien) in einer deutlich positiven Auswirkung auf die körperliche Gesundheit: z. B. auf die Immunstärke, Krankheitsdauer und Stärke der Symptome. 

Undoing. Ebenfalls nachgewiesen wurde der sogenannte “Undoing Effekt”: positive Gefühle können negative Emotionen abschwächen bzw. ausgleichen. Nach Barbara Fredrickson funktioniert der Zugriff auf positive Emotionen wie ein Reset-Knopf, der die körperlichen Reaktionen nach einer Stress-Situation wieder auf null stellen kann.

KIRONDO Selbstführung

Am Ende dieser Serie (Achtung: nun kommt der Werbeblock) möchte ich kurz meine selbst entwickelte Methode “KIRONDO Selbstführung” vorstellen und in die Landschaft der vorgestellten Ansätze einordnen ‒ für eine detaillierte Beschreibung empfehle ich die Seiten “Home” und “Die Methode”. 

Was die Zielrichtung angeht, so segelt KIRONDO ganz unter der Flagge der Humanistischen Psychologie mit einer großen Nähe zur Positiven Psychologie. Die zentralen Werte und Ziele von KIRONDO entsprechen komplett dem “ergänzten Modell des Wohlbefindens” (s.o.) sowie der Positiven Psychologie, nämlich: Authentizität, Wachstum und ganzheitliche Persönlichkeitsentwicklung, Gesundheit im positiven und ganzheitlichen Sinn, die bewusste und aktive Orientierung auf ein erfülltes, glückliches, sinnvolles, gelingendes “gutes” Leben.

Die Methode 

Ganzheitlich ist auch das Spektrum der Anwendungen. Im Prinzip kann jedes innere Thema oder Problem, jede momentane oder andauernde innere Spannung oder Belastungssituation dargestellt und bearbeitet werden. Grundlage für diese im Prinzip unbegrenzte und flexible Anwendungsvielfalt ist die neu entwickelte KIRONDO-Matrix als Modell zur Darstellung von ganzheitlichem Erleben. Praktisch jedes Thema, Problem, Erleben kann mit der KIRONDO-Matrix dargestellt und bearbeitet werden. 

Die Matrix selbst ist eine Nachkonstruktion des inneren Erlebensraums, der inneren “Erlebensarchitektur” mit all ihren wesentlichen Komponenten. Sie ist, genau genommen, zunächst eine Ordnungsstruktur und besteht aus einer Anzahl von sinnvoll zueinander angeordneten Feldern. Diese Felder bilden alle wesentlichen Elemente und Aspekte des bewussten, inneren Erlebens ab, z. B. die Erlebensfunktionen des Wahrnehmens, Fühlens, Denkens und Handelns; Strukturen wie Persönlichkeit/Charakter, Motivation, Ressourcen/Fähigkeiten und Einstellungen/Glaubenssätze/Denkmuster; Grundbedürfnisse, Werte und innere Anteile/”Inneres Team”. Diese Aspekte des persönlichen Erlebens können jedoch nicht nur analytisch, d. h. als einzelne Elemente, sondern auch ganzheitlich in ihrem spezifischen Zusammenwirken als erlebte Situation oder dargestelltes Thema dargestellt werden. 

Diese Ordnungsstruktur bzw. ”Blaupause” setzen alle praktischen Instrumente und Anwendungsformen der KIRONDO-Methode ohne Einschränkungen und 100% kompatibel zueinander um, z. B.:

  • die “Innere Bühne” (wichtigste Form): ein flexibles Bild für die persönliche innere Vorstellung; ein individuell eingerichtetes Modell, mit welchem in der eigenen Vorstellung, im eigenen Wahrnehmen, Fühlen und Denken gearbeitet wird
  • die Aufzeichnungen: eine grafisch orientierte Technik, um die eigene Arbeit mit KIRONDO flexibel und in Kurzform “begleitend” aufzuzeichnen, um Erleben/Arbeit/Problemlösung in einer ‒ eigenen ‒ “Geschichte” festzuhalten

Mit den Matrixfeldern ist weiterhin eine Auswahl ganzheitlich sortierter psychologischer Selbsthilfe-Techniken aus den Bereichen Psychotherapie, Beratung, Coaching und Lebens- und Selbsthilfe verknüpft. Alle Techniken können einzeln angewendet, beliebig kombiniert und mit weiteren externen Techniken ergänzt werden (offenes System). Als integrierte Methodenplattform verbindet KIRONDO 3 Ebenen, die für eine ganzheitliche innere Selbstführung unverzichtbar sind:

  • Selbstkenntnis/Selbsterfahrung: ein systematisches, themenübergreifendes, achtsamkeitsbasiertes Training zur wachsenden Sensibilisierung für das innere Erleben, für die eigenen unbekannten Seiten, Ressourcen und Potentiale, Grundbedürfnisse und innere Anteile (“inneres Team”)
  • Selbsthilfe: ein ganzheitlich abgestimmter, d. h. im Prinzip vollständiger “Methodenkoffer” zur Selbsthilfe in schwierigen Situationen ergänzt die persönlich wachsenden Ressourcen
  • Selbstführung: die laufende Lebensplanung und -organisation im Sinne von Flourishing und auf der Basis geklärter Grundbedürfnisse und Werte. 

KIRONDO versteht sich als Methode sehr pragmatisch: als Instrument, als eine Art Toolbox. Als “Schweizer Taschenmesser” der ganzheitlichen Selbstführung. Von der Zielrichtung her jedoch ganz klar: im Dienste der menschlichen Sehnsüchte, Werte und Ziele, wie sie die Humanistische Psychologie, die Positive Psychologie und viele andere formuliert haben: Seelische Gesundheit und Flourishing, ein stabiles, resilientes Wohlbefinden mit einem vitalen Wachstum in Richtung Glück, Sinn und Erfüllung. 

Zusammenfassung

Gleichen wir die verschiedenen Konzepte, die wir uns in den Blog-Artikel #1 und #2 angeschaut hatten, miteinander ab, so landen wir wieder bei der (geringfügig erweiterten) Liste der 6 “Bausteine des Wohlbefindens” von Carol Ryff (siehe #1, Mitte):

  1. Sich selbst akzeptieren, eine positive Grundeinstellung sich selbst gegenüber 
  2. Warme, vertrauensvolle Beziehungen mit anderen, Empathiefähigkeit, Bindungsfähigkeit 
  3. Autonomie, Selbstbestimmtheit, eigene Werte als Kompass des eigenen Verhaltens
  4. Selbstwirksamkeit, die aktive Gestaltung der persönlichen Lebensumstände, Bewältigung von Alltagsanforderungen
  5. Sinn im Leben, relevante persönliche Ziele, klares Verständnis des eigenen Lebenssinns 
  6. Persönliches Wachstum, kontinuierliche persönliche Entwicklung, Wachstum, Selbstverwirklichung 

Stellen wir uns nun diesen Grundzustand des Wohlbefindens auf einer Achse mit zunehmender Intensität und Komplexität vor, so erhalten wir mit zunehmender Intensität eine Reihe von verschiedenen Varianten dieses Zustands: von einem einfachen, situationsbedingten “gut drauf sein” oder “gerade etwas schönes genießen” über das generelle Erleben einer stabilen seelischen Gesundheit bis hin zu Zuständen gesteigerten Glücks-, Sinn- und Erfüllungserlebens. Welche Zustände bzw. welche Qualitäten von “Wohlbefinden” wir jedoch erfahren, hängt entscheidend von uns, d. h. von unserer Einstellung und freien Entscheidung, von unseren Werten, Zielen und Aktivitäten ab ‒ und letztlich von den Sinnzusammenhängen, in welche wir unser Leben stellen.

Unter den unzähligen Aktivitäten und Techniken, die dem Erleben von Genuss, gesundheitlichem Wohlbefinden und Glück dienen, gibt es auch im Bereich Psychologie/Psychotherapie einige hochentwickelte und bewährte Ansätze, die sich explizit diesem anspruchsvolleren Teil der “Achse des Wohlbefindens”, nämlich der positiven Gesundheit bis hin zu Glück, Lebenssinn und Erfüllung zuwenden:

  • die Verhaltenstherapie (VT): nicht generell, aber in einzelnen, sehr bedeutsamen, weil “Paradigmen wechselnden”, Ansätzen: vor allem die Einführung der Schlüsselkompetenz “Achtsamkeit” (z. B. MBSR und ACT) und die Tendenz zur ganzheitlichen Integration der therapeutischen Interventionen (z. B. Schematherapie)
  • die Humanistische Psychologie, die mit der grundsätzlichen Ausrichtung auf Selbstverwirklichung, Selbstaktualisierung und der vollen Entfaltung des persönlichen Potenzials so etwas wie die “traditionelle Hausmacht” dieser Richtung darstellt
  • die systemische Richtung: wie die VT nur in einzelnen Ansätzen. Hier ragt vor allem die Synergetik bzw. die Psychosynergetik heraus. Grundsätzlich wichtig ist generell der systemische Aspekt an sich: positive Gesundheit kann nur als Zustand eines Systems verstanden werden. 
  • die Positive Psychologie als jüngste Richtung schließlich dürfte diejenige sein, die sich empirisch wie praktisch, selbsthilfetechnisch wie therapeutisch am fokussiertesten der positiven Gesundheit und dem persönlichen Lebensglück zuwendet, wie es z. B. in den zentralen Konzepten des “Flourishing” (Aufblühen, Gedeihen im Sinne des persönlichen Wachstums) und des “Broaden-and-build” (positive Emotionen aufsuchen und bewusst erleben ‒ und wieder systemisch rückwirken lassen) zum Ausdruck kommt.

In diesen Zusammenhängen versteht sich “KIRONDO Selbstführung” als ein methodisch neuer, ganzheitlicher und praktisch ausgerichteter Ansatz. Hinsichtlich der Ziele und Werte schließt sich KIRONDO vollständig der Zielrichtung der Humanistischen Psychologie sowie der Positiven Psychologie an und ergänzt deren methodisches Arsenal mit den Angeboten:

  • Ganzheitliche Darstellung des inneren Erlebens: die KIRONDO-Methode arbeitet mit einer neu entwickelten Technik, welches alle wesentlichen Bestandteile des psychischen Erlebens in einem praktischen Arbeitsmodell (“Matrix”) integriert. 
  • Ganzheitliche Integration der Methoden: der “Methodenkoffer” enthält eine ganzheitlich sortierte Auswahl etablierter und bewährter Techniken im Selbsthilfe-Format. Diese kann beliebig ergänzt werden.
  • Selbsthilfe-Ansatz: KIRONDO ist explizit auf den Anwendungsbereich der Selbsthilfe fokussiert. Als ganzheitliche Methode verbindet KIRONDO die Ebenen Selbsterfahrung, Selbsthilfe und Selbstführung und bietet hierfür ein alltagstaugliches und umfassendes Set psychologischer Selbsthilfetechniken. 

Literaturempfehlungen

Anderssen-Reuster, U. (2007): Achtsamkeit in Psychotherapie und Psychosomatik. Schattauer Verlag, Stuttgart

Blickhan, D. (2015): Positive Psychologie – Ein Handbuch für die Praxis. Junfermann Verlag, Paderborn

Grawe, K. (1998), Psychologische Therapie. Hogrefe Verlag, Göttingen

Haken, H., Haken-Krell, M. (1997): Gehirn und Verhalten, Deutsche Verlags-Anstalt GmbH, Stuttgart 

Hansch, D. (2002): Evolution und Lebenskunst: Grundlagen der Psychosynergetik. Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen

Harris, R. (2011): ACT leicht gemacht. Arbor-Verlag, Freiburg

Holms, T. (2013): Reisen in die Innenwelt. Systemische Arbeit mit Persönlichkeitsanteilen, 3. Auflage, Kösel Verlag, München

Kaluza, G. (2005): Stressbewältigung, Nachdruck, Springer Medizin Verlag, Heidelberg

Kabat-Zinn, J. (2003): Gesund durch Meditation. 10. Auflage, Scherz Verlag, Bern

Rogers, C. R. (2009): Eine Theorie der Psychotherapie. Ernst Reinhardt Verlag, München

Sachse, R. (2004): Persönlichkeitsstörungen. Hogrefe Verlag, Göttingen

Schnell, T. (2016): Psychologie des Lebenssinns. Springer-Verlag Berlin Heidelberg

Young, J. E., Klosko J. S. (2006): Sein Leben neu erfinden. Junfermann Verlagsbuchhandlung, Paderborn

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1 Kommentar

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